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Gute Gemeinschaft erleben

Seit dem Herbst 2020 arbeiten ein Team der Universität Witten/Herdecke und das Team der Projektleitung vor Ort an einem Forschungs- und Modellprojekt im Altenheim St. Clara. „Communio firmo prosperamus“, ist der klangvolle lateinische Name, was für das Fördern und Stärken einer guten Gemeinschaft steht. Und darum wird es in dem Modellprojekt gehen, nämlich herauszufinden, wie die Bewohnerinnen und Bewohner, aber auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und nicht zuletzt die Angehören, Freunde und nahestehende Personen, die im Projekt insgesamt als Zugehörige bezeichnet werden, diese Gemeinschaft erleben. In einem weiteren Schritt geht es dann darum, Gemeinschaft und soziale Teilhabe zu stärken. Gefördert wird die Untersuchung von der Stiftung Wohlfahrtspflege NRW. Die wissenschaftliche Begleitung erfolgt durch das Department für Pflegewissenschaft der Universität Witten/Herdecke. Hier bilden die Professorin Dr. Margareta Halek, der wissenschaftliche Mitarbeiter Dominique Autschbach und die wissenschaftliche Mitarbeiterin Anika Hagedorn das Forschungsteam.

Projekt-Flyer

Projektleitung

Projektstart im Oktober 2020 (v.l.): Anika Hagedorn (wiss. Mitarbeiterin), Dominique Autschbach (wiss. Mitarbeiter), Schwester M. Raphaela vom Hofe und Andreas Cramer (Geschäftsführung) sowie Schwester M. Angela Benoit (Provinzoberin). Foto: Michael Bodin
Projektstart im Oktober 2020 (v.l.): Anika Hagedorn (wiss. Mitarbeiterin), Dominique Autschbach (wiss. Mitarbeiter), Schwester M. Raphaela vom Hofe und Andreas Cramer (Geschäftsführung) sowie Schwester M. Angela Benoit (Provinzoberin). Foto: Michael Bodin

Im Altenheim St. Clara arbeitet darüber hinaus das Team der Projektleitung mit Daria Wibbeke, Jolien Meilwes und Nicole Bartelsmeier. Sie koordinieren die Abläufe vor Ort, suchen Teilnehmerinnen und Teilnehmer für Befragungen und Workshops und begleiten die Projektentwicklungs- und Umsetzungsaktivitäten auf den Wohnbereichen. Das Altenheim St. Clara bietet für die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ein besonders interessantes Umfeld. Hier bilden schon seit vielen Jahren ältere Ordensschwestern sowie Bewohnerinnen und Bewohner, die nicht dem Orden angehören, eine Gemeinschaft. Hinzu kommen die räumliche Nähe zum Mutterhaus der Franziskanerinnen und die Spiritualität der Ordensgemeinschaft. „Schon bei den ersten Besuchen haben uns das Zusammenleben und die Gemeinschaft beeindruckt“, sagt Dominique Autschbach. So kann das Forschungsteam davon ausgehen, hier schon viele Bedingungen einer guten Gemeinschaft zu entdecken. Im Projektantrag heißt es dazu: „Die Aufgabe des Projektes ist es, die für die soziale Teilhabe relevanten Elemente auszuarbeiten, um das implizit ‚verborgene‘ Tun der Schwestern sichtbar und verfügbar zu machen.“ Dabei wird es beispielsweise darum gehen, Pflegeroutinen und Arbeitsabläufe zu hinterfragen, die in erheblichem Maße die Tagesstruktur der Bewohnerinnen und Bewohner in stationären Pflegeeinrichtungen bestimmen. Passen diese nicht zum Alltag von Familien und anderen Zugehörigen, wird es für diese schwer, sich an der Gestaltung des sozialen Lebens der Bewohnerinnen und Bewohner zu beteiligen.

Isolation vermeiden

Gerade die nahestehenden Personen aber können oft besser als die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Pflegeeinrichtung zum sozialen Leben beitragen, da ihnen die Biographien, Freundinnen und Freunde oder die „persönlichen Wohlfühlorte“ bekannt sind. Ein Leitgedanke ist es, soziale Isolation der Bewohnerinnen und Bewohner durch eine Stärkung von Kontakten innerhalb und außerhalb der Einrichtung zu vermeiden. Dazu ist es wichtig, herausfinden, was jeweils die Wünsche und Bedürfnisse sind. In dem Projekt sollen alle Perspektiven abgebildet werden. Deshalb befragt das Forscherteam nicht nur die Bewohnerinnen und Bewohner, sondern auch Beschäftigte und Zugehörige. Sie werden persönlich und mit einem Informations-Flyer dazu aufgerufen, sich zu beteiligen. „Wir werden im Rahmen der Projektlaufzeit verschiedene Formen der Teilnahme anbieten“, erklärt Projektleiterin Daria Wibbeke. Das sind Fragebögen, persönliche Gespräche, das Mitwirken in Arbeitsgruppen sowie Workshops.

Teilnahme

Die Dauer der einzelnen Erhebungen ist unterschiedlich. Die Beantwortung der Fragebögen dauert etwa 20 Minuten. Persönliche Gespräche, Arbeitsgruppen und Workshops können eine Stunde in Anspruch nehmen. Woran und wie lange jemand teilnimmt, hängt von den persönlichen Möglichkeiten und Wünschen ab. So kann entweder an allen oder auch nur an manchen Erhebungen und Arbeitsschritten teilgenommen werden, wobei die Teilnahme immer freiwillig ist und zu jedem Zeitpunkt auch abgebrochen werden kann. Einbezogen werden auch nicht-interviewfähige Bewohnerinnen und Bewohner, die bei Gemeinschaftsaktivitäten begleitet und beobachtet werden können.

Drei Jahre Laufzeit

Am Anfang stehen Informationssammlungen und erste Befragungen. Darauf folgen Gruppendiskussionen und anschließend wird ein Konzept der Einbindung von Zugehörigen entwickelt und in der Praxis auf den Wohnbereichen erprobt. In der abschließenden Phase des Projekts werden bis Ende 2023 die Erkenntnisse gesichert und ein anwendungsfähiger „Werkzeugkasten“ zur Weitergabe an andere Einrichtungen erstellt. Nach der Umsetzung, Überprüfung und Gesamtauswertung sollen die Ergebnisse in einer Abschlussveranstaltung der Öffentlichkeit vorgestellt und allgemein veröffentlicht werden.

Die Ergebnisse könnten für alle anderen Altenhilfeeinrichtungen interessant sein, welche die Ressource Spiritualität, Gemeinschaft und Familienintegration für sich neu denken möchten. Aber auch für die Ordensgemeinschaften und Kongregationen werden die Forschungsergebnisse voraussichtlich Wege aufzeigen können, wie eine Öffnung und das aktive Miteinander beider Welten dazu beitragen kann, ihren gesellschaftlichen Auftrag auch in Zukunft zu erfüllen.

zeitstrahl

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